Lebensmittelverschwendung

Benjamin Schlöglhofer

Lebensmittelverschwendung nach wie vor Problem

Was den Umgang mit Nahrung betrifft, gibt’s leider noch viel für „A Team für Österreich“ zu tun. Denn ein großer Anteil unserer Lebensmittel landet im Müll, besser gesagt ⅓ der produzierten Ware wandert in die Tonne (1)- so gesehen werden auch ein Drittel aller Felder umsonst bestellt.

Mindesthaltbarkeitsdatum wird falsch verstanden

Bei der Verschwendung von Lebensmitteln führen die Haushalte, also die Endkonsumenten, mit 48 Prozent an - über 49.000 Tonnen an genießbarer Nahrung sind es in den österreichischen Haushalten (2). Mit dieser Menge könnte man 500.000 Menschen (3) - das entspricht in etwa der Stadt Graz - ein Jahr lang ernähren. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Viele Menschen halten sich sehr strikt an das Mindesthaltbarkeitsdatum. Sie schmeißen abgelaufenes Essen weg, obwohl es völlig in Ordnung ist. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist aber nur eine Empfehlung.

Lagerung ist ein Problem

Auch der Lebensmittelhandel trägt sein Schäuflein zur Lebensmittelverschwendung bei. 110.000 Tonnen an Nahrung werden in diesem Bereich weggeschmissen (4). Auch hier ist das Mindesthaltbarkeitsdatum ein Grund, ein weiterer die falsche Lagerung.

Zwei von drei Erdäpfeln landen nicht am Teller

In der Produktion ist es in manchen Bereichen besonders schlimm. So kommt eine Schweizer Studie zu dem Schluss, dass zwei von drei Erdäpfeln nicht bei den Konsument*innen am Teller landen (5). Bei Obst und Gemüse kann vieles erst gar nicht von den Produzent*innen verkauft werden. Das liegt oft an den Auflagen des Handels. Erdäpfel etwa müssen bestimmten ästhetischen und formalen Vorgaben entsprechen. Zu groß oder unförmig geht nicht. Das Kaufverhalten der Kund*innen beeinflusst diese Bestimmungen maßgeblich mit.

Jede*r kann was tun

Wie in vielen Bereichen des Lebens kann auch hier jede*r von uns die Situation verbessern und gutes für die Umwelt tun. Weniger Lebensmittelverschwendung bedeutet nämlich in weiterer Folge effizientere Ressourcennutzung, was wiederum die Natur schont.

Werde Lebensmittelretter*in

Eine mittlerweile sehr gängige Möglichkeit ist „Foodsharing“. Dabei werden Lebensmittel, die sonst weggeschmissen werden, zu Abholung angeboten. Meist geschieht das über Onlineplattformen(6). Angeboten wird alles was anfällt von angedäpschten Äpfeln, über abgelaufenen Joghurt, bis hin zu Trockenware. Aber auch Gemeinschaftskühlschränke werden von Foodsharer*innen genützt, um überschüssige Lebensmittel zu mit anderen teilen. Es soll ja mal vorkommen, dass man sich beim Einkaufen verschätzt 😉

App für Schnäppchenjäger

Hinter der App „Toogoodtogo“ steckt eine interessante Idee. Restaurants und Bäckereien bieten Übriggebliebenes auf der Plattform sehr günstig an. Wer Glück hat, erwischt ein Drei-Hauben-Menü, um ein paar Euro, oder Weckerl für die ganze Studi-Lerngruppe, fast für geschenkt (7).

Für härter Gesottene ist Dumpstern eine Möglichkeit um an Essen zu kommen. Dabei wird Müll auf genießbare Lebensmittel durchstöbert. Vom Dumpstern in den Müllräumen von Supermärkten raten wir aber ab. Dabei kann man sich sehr leicht strafbar machen, die Palette der Delikte geht von Hausfriedensbruch bis Diebstahl (8)! Aus diesem Grund sollte der gewiefte Dumpsterer sich gut informieren: https://help.orf.at/v3/stories/2997658/

Schon auf den Feldern können Lebensmittel gerettet werden. Gemeint ist das in Österreich noch unbekannte Prinzip der Nachernte. Kurz nach der eigentlichen Ernte bieten Bauern an das Feld nachzuernten. Alle Lebensmittel die von der Erntemaschine aussortiert, aber genießbar sind können gratis oder sehr günstig mitgenommen werden. Erste Studien gehen davon aus, dass bis zu 70 Prozent des Liegengebliebenen genießbar sind (9).

Quellen

(1) Österreichisches Ökologie Institut S. 12
(2) Österreichisches Ökologie Institut S. 5 http://www.ecology.at/files/2016_lagebericht_lebensmittelverschwendung.pdf
(3) Lebensmittelverbrauch laut Statistik Austria http://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/land_und_forstwirtschaft/preise_bilanzen/versorgungsbilanzen/041879.html
(4) Österreichisches Ökologie Institut S. 5 http://www.ecology.at/files/2016_lagebericht_lebensmittelverschwendung.pdf
(5) Bericht vom ETH Zürich über die Studie mit Link zur Studie https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2015/10/verschwendung-bei-kartoffeln.html
(6) Für Foodsharing Interessierte https://foodsharing.at/?page=fairteiler&bid=13
(7) Homepage Toogoodtogo https://toogoodtogo.at/de-at
(8) Rechtsanwalt Mag. Martin Nemec https://www.martinnemec.at/blog/dumpstern-ist-das-herausnehmen-von-lebensmitteln-aus-muellcontainern-in-oesterreich-strafbar/
(9) Bericht der Universität für Bodenkultur zu derStudie https://boku.ac.at/oeffentlichkeitsarbeit/themen/presseaussendungen/presseaussendungen-2018/04092018-nachernten-verringert-ertragsverlust-und-vermeidet-abfall

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